Für diejenigen, die's dann aber trotzdem auf den Rechner haben wollen
Kapitel 20 – Flucht
„Aber wir können nicht unser Leben für sie riskieren.“
„Was spricht dagegen? Ras Palast ist dort drüben einige hundert Meter entfernt! Was kann da groß passieren. Jaffa! Geht durchs Chaapa’ei, ich werde nachkommen.“
„Wenn ihr unbedingt draufgehen wollt, dann werde ich mitkommen, Toth.“, sagte Seschat zerknirscht.
In aller Eile hatte sie ganz vergessen, dass die Jaffa zuhörten, die diese Blasphemie jedoch ziemlich amüsierte.
„Ich komme auch mit, Herr, ich werde euch nicht von der Seite weichen!“, sprach einer der Jaffa und trat vor.
„Gut, wir müssen uns beeilen, los geht’s!“
Wir eilten schnell zum Palast herüber. Nach einigen quälenden Minuten erreichten wir ihn.
„Seltsam, noch kein Feindkontakt. Ich hätte gedacht, dass die Ta’uri sich schon längst da drin verschanzt haben.“
„Na umso besser!“, rief der Jaffa und stürmte durch den Eingang.“
„Nein, nicht, das ist ganz bestimmt…“, ich hörte eigenartige Schussgeräusche von einer mir unbekannten Waffe, „…eine Falle.“
Der Jaffa hatte sich getroffen hinter einige Säulen fallen lassen, war aber nur am Arm gestreift worden.
„Verdammt, was für ein Ding war das?“, rief er von da hinten.
Ich trat nun auch ein und aktivierte meinen persönlichen Schild. Sogleich ertönten wieder diese Schüsse und ich sah winzig kleine Metallprojektile, die am Schild zerschellen.
„Woher habt ihr diese Waffe? Sie ist zu fortschrittlich für euer kleingeistiges Volk!“, rief ich dem Schützen zu.
Es war aber ein etwa 35 Jahre alter Ta’uri mit braunen Haaren und ausgeprägtem Kinn. Außerdem trug er eine eigenartige Konstruktion aus Metall und Glas auf der Nase (Brille). Er fluchte in einer fremden Sprache und stotterte dann in einem erschreckend komischen Goa’ulddialekt:
„Wir sind sozusagen nicht von hier…“
Ich schaute ihn verwundert an, wie er die Munition seiner Projektilwaffe verschoss. Als er nachladen wollte, deaktivierte ich den Schild und schleuderte ihn weg. Komischer Typ. Ich trat näher und hob seine Waffe auf. Merkwürdiges Design… sie schien aus einem kantigen Polymere zu bestehen, fühlte sich aber doch angenehm in der Hand an. Ich ließ sie durch die Finger gleiten. Wenn wir nur mehr Zeit hätten, dann würde ich den Kerl verhören, aber wir mussten weiter.
„Herr, Vorsicht!“ Ich aktivierte sofort den Schild, doch der Jaffa war etwas zu voreilig: Er warf sich todesmutig vor mich und wurde von dem Stabwaffengeschoss getroffen. Na toll… das hat’s gebracht… Ich verpasste dem Angreifer einen Treffer mit meinem Zat’nik’i’tel, dass ich inzwischen gezogen hatte, da sich mit einem Kampfstab in den Händen schlecht das Handgerät benutzen lässt. Ich wunderte mich einmal mehr, als ich mir den Gegner ansah, der, merkwürdig zäh auf den Knien bei Bewusstsein blieb.
Es war ein Jaffa! Nicht irgendein Jaffa, er trug das goldene Mal eines Systemlords namens Apophis, von dem ich mal bei den Unterrichtsstunden von Ptah hörte. Wie konnte ausgerechnet ein Primus uns Goa’uld verraten?
„Hey, Verräter! Wieso schlägt ein Krieger deines Ranges den Pfad der Ungläubigen ein?“
„Ich… ich… werde keinem Wort eines falschen Gottes zuhören!“
„Ach hör auf dem Schwachsinn, der letzte Idiot, der so was erzählt hat, hatte es verdient, durch meine Hand zu sterben. Aber wie kann ein stattlicher Jaffa sich auf die Seite von diesen Bauerntölpeln schlagen?“
„Ich habe in die Zukunft geschaut… ich blickte in mein eigenes Spiegelbild, dass mir von einer freien Jaffa-Nation und dem Ende aller falschen Götter berichtet hat!“
„Halt, stopp, jetzt mal im Ernst: Bin ich hier nur von Verrückten umgeben? Erst dieser Typ mit der Projektilwaffe und nun ihr, ein abtrünniger Primus eines Chaos-Gottes! Hey, wo kommt ihr denn alle her?“
„Aus der Zukunft!“, er fing an finster zu lachen.
Prima, toll, find ich echt zum Schießen! Weshalb ich dem Irren mit einem zweiten Schuss der Zat’nik’i’tel ein Ende setzte. Ich schaute noch einmal Seschat an, die ebenso genervt war, wie ich.
„Oh nein, der Jaffa!“, ich ging zu dem Krieger, der sich so leichtsinnig vor mich geworfen hatte.
Er war schwer verwundet, lebte aber noch, sodass ich begann, ihn mit dem Handgerät zu heilen.
„Lass ihn liegen, hier könnten noch mehr auf uns lauern und wir müssen schnell weiter!“
„Nein! Er kam freiwillig mit. Erstens will ich möglichst niemanden zurücklassen, zweitens soll er durch seinen, wenn auch unangebrachten, Mut nicht mit dem Tod belohnt werden.“
Seschat war ungeduldig, ließ mich aber machen.
„Herr,… sie hat recht… ich bin es nicht wert.“, stammelte der Jaffa.
„Ach komm‘, wir schweben nicht in unmittelbarer Gefahr, außerdem bin ich fast fertig… Außerdem… was habt ihr euch eigentlich dabei gedacht? Ich bin ein Gott! Unangreifbar!“
Ich setzte das Gerät ab und blickte auf die völlig verheilte Wunde.
„Nun jammer nicht weiter herum und steh auf!“
Wir gingen zügig voran und überlegten, wo Ra Nut ‚lagern‘ könnte. Im Keller? Naja, war ein Versuch wert. Wir gingen eine Treppe herunter und fanden eine düstere Katakombe vor. Überall waren große Wasserbehälter, in denen die jüngsten Symbionten schwammen, die noch auf einen Jaffa warteten. Die armen Dinger waren so gut wie tot…
Schließlich fanden wir am anderen Ende des Raumes einen kleinen Glaskasten, in dem sich Nut befand. Wir hievten sie auf einen kleinen Karren und beförderten sie so schnell aus dem Gebäude heraus, auch wenn ihr die Treppen nicht sonderlich gut bekommen waren.
„Hey Jaffa, wie heißt du eigentlich?“
„Dschehuti-Nefer.“
„Danke!“
Er verstand und grinste.
„Nein, das ist mein Name!“
„Natürlich!“
Nette Idee, seinen Sohn ‚Toth ist vollkommen‘ zu nennen und er dann unter diesem arbeitet. Wir eilten die Treppen der Plattform hoch und fielen fast um vor Schreck.
„Ähem, ich war mir eigentlich sicher, dass das Chaapa’ei genau hier stand…“, sagte Seschat fassungslos.
„Wie… wie ist sowas möglich?“, staunte Dschehuti-Nefer.
Man hatte, während wir weg waren, offenbar mit roher Gewalt das Tor einfach aus dem Stein gerissen. Außerdem wurde das Wahlgerät zerstört. Wie hatten diese… Egal, es war noch nicht vorbei: Wir hörten in einiger Entfernung den Kampfschrei einer großen Rebellengruppe. Nicht schon wieder… langsam hatte ich das andauernde Gerenne satt.
„Dort! Ra hat eines seiner Schiffe zurückgelassen!“, Seschat zeigte auf den riesigen Kreuzer, der unberührt vom ganzen Trubel auf einer Pyramide thronte.
Und wieder rannten wir. Wo ich vorhin noch Nut voranschob, so war es nun Dschehuti-Nefer. Ich blickte zur Spitze des Schiffs hinauf und las seinen Namen: Cherunecht! Wir rannten ins Innere der Pyramide, während sich der wütende Mob von hinten näherte. Nicht noch ein Kampf. Hastig tippte ich den Befehl zum Transport in die Konsole beim Ringtransporter ein. Wir hörten, wie sie den Eingang stürmten. Die schnellen Schritte auf dem harten Kalkstein tönten durch das Gewölbe.
„Schnell, schnell, macht euch bereit!“, brüllte ich und wir stellten uns in den Ring.
Langsam erhoben sich die Bestandteile des Transporters aus den Tiefen der Pyramide. Dann ein Ruck und im nächsten Moment standen wir im verlassenen Schiff. Seschat und Dschehuti-Nefer schoben Nut in Deckung und machten sich bereit, jeden zu erschießen, der jetzt durch den Ringtransporter kam. Auch ich wollte mich bereit machen, doch dann fiel mir zufällig Ptahs unnützer Todesringtransporter ein. Ich riss die Tastatur des Terminals ab und machte mich an den Steuerkristallen zu schaffen.
„Toth! Was macht ihr da?“, rief Seschat mir zu.
„Ich bereite unseren stürmischen Freunden eine kleine Überraschung!“
Ich erinnerte mich nicht mehr genau an die Kombination, die Ptah verwendete, daher improvisierte ich ein wenig. Schlimmer als lebend können die ja nicht ankommen… Et voila: Fertig! Gerade rechtzeitig, als der Ringtransporter wieder ansprang.
„Ich bin sicher, das Folgende wollt ihr nicht sehen…“, sagte ich düster zu meinen Begleitern und sie verschwanden leicht verwirrt in Richtung Brücke.
Ich warf noch einen Blick nach hinten auf den gerade angekommenen Fleischklumpen, um sicher zu gehen und ging dann hinterher. Auf der Brücke angekommen, meinte ich zu Dschehuti-Nefer, der gerade an der Kommandokonsole Platz genommen hatte:
„Könnten wir beim Aufstieg einen kleinen Umweg über Memphis nehmen?“
„Natürlich, Herr! Haltet euch fest, wir starten!“
Natürlich. Ich hielt mich an einigen dafür vorgesehenen Griffen fest und sogleich durchzog ein Grollen das Schiff. Dann fing es an, fürchterlich zu beben. Kaum hatten sich meine Beine an den schwankenden Boden gewöhnt, hörten wir ein Quietschen und Klicken, dass das Zusammenziehen der einzelnen Elemente des Schiffes signalisierte. Wir hoben tatsächlich ab! Ich blickte auf den Bildschirm und sah, wie wir immer schneller werdend die Wüste überquerten.
„Dschehuti-Nefer! Aktiviere die Waffen!“
„Herr?“
„Tue es im Namen deines Herrn!“
Selbst Seschat schaute mich verwundert an.
„Was wollt ihr tun?“
„Ich habe diese vermaledeite Stadt aus der Asche erbaut, ich kann sie auch niederreißen! Diese Ta’uri haben mir, ihrem größten Wohltäter ins Gesicht gespuckt… das sollen sie teuer bezahlen!“
„Wir nähern uns der Stadt, Herr.“
„Äscher sie ein! Pass aber auf, den Statthalterpalast nicht zu treffen!
„Verstanden, Herr.“
Sogleich sahen wir auf dem Bildschirm, wie das Inferno losbrach und Gebäude um Gebäude unter den Energiebolzen zerfetzt wurde. Als das grausige Werk getan war und nur eine Hand voll öffentlicher Gebäude, in denen sich vermutlich noch loyale Männer befanden, standen, gewann das Schiff weiter an Höhe und durchbrach die Ozonschicht. Erst sahen wir erste Sterne im blauen Himmel, dann waren wir so hoch, dass wir freie Sicht auf den unendlichen Weltraum hatten.
„Kurs setzen nach Hermupolis!“, befahl Seschat.
Der Jaffa stutzte ein wenig, schaute erst einmal in eine Sternenkarte und öffnete dann endlich ein Hyperraumfenster in eine unbekannte Zukunft. So verließen wir, diese wunderschöne blaue Perle, ein Planet, der eine Heimat für mich war. Wir hofften, zurückzukehren, doch tief in unseren Herzen ahnten wir, dass die Herrschaft der Goa’uld über diesen Planeten endgültig gebrochen war. Auch wenn ich meine Stadt zerstörte:
Ein kleiner Teil meiner Seele hoffte, dass meine Schützlinge sich noch einmal prächtig entwickeln. Doch mein Einfluss war beendet. Ich war auf dem Weg zu neuen Sternen. Neuen Abenteuern. Und höchst wahrscheinlich auch alten Feinden…
to be continued...