Tja, die haben halt ihre eigenen Methoden zum Kundenfang...
Auf jedenfall geht's erst einmal weiter, die ersten 20 Kapitel als Kompaktpaket für Neueinsteiger folgen schon bald
Kapitel 12 – Wiedergeburt mit Umwegen
„Es ist aus, Bruder, gib auf!“
„Es ist niemals aus, solange ich lebe, das müsste dir doch klar sein, Schwesterchen. Diener, beschützt euren Gott!“
Das, was danach passierte, bleibt mir bis heute unerklärlich: Seths Hofstaat, selbst die, die sich gerade erst von der Granate erholt hatten, rannten auf Seth zu und bildeten einem menschlichen Schutzschild. Erschrocken davon, dass ihn einer von denen angerempelt hatte, eröffnete einer unserer Jaffa das Feuer, Seths Männer schossen zurück, unsere Leute hielten dagegen, es kam wie es kommen musste: Letztendlich saß Seth in einem Meer aus Leichen seiner idiotischen Leute. Nun hob auch er wütend sein Handgerät, um dann gleich von meinem Zat’nik’i’tel getroffen zusammenzusacken.
Isis und ich gingen sofort zu ihm und fanden unter seinem Thron einen Sarkophag. Wir öffneten ihn und entdeckten das, was wir geahnt hatten: Der arm- und beinlose Torso von Osiris!
„OK, der Wirt ist hin, aber vielleicht gibt es noch eine Chance für den Symbionten!“, sagte ich zu Isis.
Sie drehte den Körper um, um die Öffnung im Genick zu begutachten. Doch sie war aufgerissen worden! Jemand hatte Osiris gewaltsam entnommen!
„Verdammt, wo hat Seth ihn hingebracht!“
Die Jaffa hatten inzwischen angefangen, Stabwaffen und die überlebenden Feinde aufzusammeln, darunter auch den bewusstlosen Seth.
„Wie viele sind es, Primus?“
„Bisher vierzehn, mehr haben’s nicht überlebt. Von uns sind etwa 38 übrig, davon hat allerdings kaum einer das Gefecht unbeschadet überstanden.“
„Verdammt, es war viel zu verlustreich… ich hoffe mit der Gefangennahme Seths ist dieses sinnlose Töten endlich vorbei.“
Schade, dass ich nicht beim Heilen helfen konnte, da mein Handgerät vollkommen erschöpft war. Die Gleiter waren verschwunden und wir machten uns langsam auf den Weg zum Camp. Als wir es erreichten, begrüßten uns die 12 Zurückgebliebenen erleichtert, denn, wie wir dann erfuhren, befürchteten sie schon das Schlimmste, als sie von zwei Gleitern angegriffen wurden. Von den Jägern waren nur noch verkohlte Wrackteile übrig, die überall in der Gegend verstreut waren. Wir gingen in die Tel’taks, während einige Jaffa noch die Ausrüstung hinein räumten, denn ein Sandsturm braute sich langsam zusammen und wir konnten daher noch nicht abheben. Dann kam Seth wieder zu sich.
„Guten Morgen, Sonnenschein!“, begrüßte ich ihn.
„Ihr hättet mich töten sollen!“
„Um dann dieses aufschlussreiche Gespräch zu verpassen? Vergiss es! Mmh… du verdammter Mistkerl hast Osiris‘ Symbionten entnommen… Wo ist er! Sprich schon!“
„Du glaubst wirklich, dass ich euch das sage? Du bist vielleicht ein gutgläubiger Goa’uld! Wer bist du eigentlich?“
„Lenk nicht ab! Hier ist eine stocksaure Goa’uld, deren Ehemann du auf dem Gewissen hast und wenn ich sie auf dich los lasse, bleiben nur noch winzig kleine Fetzen von dir übrig! Also… überleg’s dir!“
„Pah!“
„Isis? Übernimm mal kurz!“
„Mit Vergnügen.“
Sie nahm, ohne ein weiteres Wort zu sagen, ihr Handgerät und stellte es auf die höchste nichttödliche Stufe. Seth schluckte, als er das sah und auch ich verspürte einen Anflug von Mitleid… autsch… Selbst die Jaffa mussten angesichts seiner Schreie wegschauen.
„Ah, OK, ihr habt gewonnen, ah, ich sag euch ja, ah, wo er ist…“
„Hey, Isis, wenn du sein Gehirn zu Brei verarbeitest, nützt er uns nichts mehr. Lass ihn reden!“
„Na schön, aber ich weiß nicht, wie lange ich mich noch zurückhalten kann…“
„Na los, ich schlage dir vor, schnell zu sprechen!“
„Er… er war… die ganze Zeit in Memphis…“, er war so durcheinander, dass er nicht einmal in der Lage war, tief zu sprechen, „ich habe ihn… ihn dort… in meiner Residenz aufbewahrt… er ist in… einer Kanope… auf meinem privaten Altar… aber ohne mich… kommt ihr da niemals ran.“
„Aber ich bin mir sicher, dass du uns trotzdem hilfst. Du bist ja so ein netter, hilfsbereiter Goa’uld.“, angesichts der immer ungeduldiger werdenden Isis fügte ich noch hinzu:
„Und an deiner Stelle würde ich hoffen, dass der Rückflug nicht allzu lange dauert!“
Ich würde nicht sagen, dass Goa’uld einen angeborenen Trieb zur Folter besitzen, aber ich gebe zu, dass ein Goa’uld wie Isis leichter zu solchen Mitteln greift, wenn man ihn persönlich angreift, als andere Lebewesen. Also, es ist wichtig zu wissen, dass zu meiner Zeit Folter zwischen Goa’uld strengstens verboten war und wir nicht im Traum daran gedacht haben, dass wir uns so etwas in 5000 Jahren tagtäglich gegenseitig antun würden. Aber ich würde sagen, Isis war ein Sonderfall und ihre Reaktion anhand der grausam verstümmelten Leiche von Osiris zumindest teilweise legitim und nachvollziehbar war.
So… damit habe ich das geräuschintensive Warten auf das Ende des Sturms sowie den ebenso langen wie (für einen gewissen Passagier) extrem schmerzhaften Rückflug verquatscht und wir überspringen den Teil bis zur Ankunft bei Seths Haus. Es befand sich zwar im gehobenen Viertel Memphis‘, war aber nicht sonderlich aufregend gestaltet und das Einzige, was es von einem normalen Ta’uri-Appartement unterschied, waren die gewohnt hässlichen Wachen vor der Tür, die uns, den stöhnenden Seth vorzeigend, hineingelassen haben.
Wir gingen zielstrebig zu seinem Altar und entdeckten, dass er über einen Fingerabdruckscanner verfügte. Wir zwangen Seth, den Scanner zu bedienen und tatsächlich schob sich der Altar in die Decke und machte einen kleinen Hohlraum frei, in dem wir die gesuchte Kanope fanden. Wir atmeten schon durch: Endlich hat das Ganze ein Ende und wir können nach Hause gehen. Doch Seth machte diesem Gedanken mal wieder ein Ende, riss sich in einem Anflug zurückkehrender Kraft von den Wachen los und warf die Kanope auf den Boden. Mit einem Ohrenbetäubenden Klirren ging sie zu Bruch, während die Jaffa Seth mit ihren Stabwaffen zusammenschlugen.
„Wieso habt ihr ihn nicht besser festgehalten?“, warf ich ihnen vor.
Sie reagierten nur mit ratlosem Gestikulieren und Achselzucken, ich winkte ab und wand mich zu dem Scherbenhaufen. Isis beugte sich über einen verzweifelt schreienden und blutverschmierten Symbionten. Osiris war schwer verletzt! Nach kurzem Aufbäumen verstarb die kleine Kreatur.
„Nein… Osiris…“, hauchte Isis entsetzt.
„Es gibt noch eine Chance… wir müssen ihn schnellstmöglich in einen Sarkophag bringen!“, meinte ich zu ihr.
Sie nahm den kleinen Körper fassungslos in die Hände.
„Wir nehmen Seths Sarkophag…“, sagte sie kreidebleich.
Instinktiv fanden wir Seths Schlafgemach. Ich kann es nicht näher beschreiben, da Osiris‘ lebloser Körper das Einzige war, was ich sah. Vorsichtig legte sie den Symbionten in den Sarkophag. Als sich der Deckel schloss, atmeten wir auf. Irgendwas mussten wir uns noch überlegen, denn wir konnten ihn ja nicht ewig da drin lassen. Wir schauten uns um und entdeckten in einer Ecke den verängstigten persönlichen Diener Seths.
„Denkst du dasselbe, was ich denke?“, fragte Isis düster.
„Mmh, ich glaube schon...“
Wir zerrten das arme Geschöpf zum Sarkophag. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort, doch nun brauchte er sich nach dem Fall seines Herrn nicht um einen neuen Job zu sorgen. Kurz nachdem wir den Kasten öffneten, setzten wir Osiris notdürftig in den Nacken seines neuen Wirts ein. Seine Augen leuchteten.
„Endlich zurück! Meine Rache an Seth wird grausam sein!“
„Rache? Das ganze wird durch ein Gerichtsverfahren von Ptah geklärt. Das ist rechtens und verursacht kein weiteres Blutvergießen! Seth wird so oder so seine gerechte Strafe erhalten…“
„Pah, wer seid ihr eigentlich?“
„Jemand, der eine große Hilfe bei deiner Rettung war!“, warf Isis ein.
„Gestatten, Toth, Statthalter von Memphis.“
„Aha, ein niederer Lakaie Ptahs…“
Innerlich wollte ich protestieren, doch irgendwie war da ja was Wahres dran… Mir wurde dieses Gespräch überdrüssig und beschloss, in den Statthalterpalast (wenn man’s überhaupt Palast nennen kann) zurückzukehren, um Ptah zu kontaktieren. Er wollte tatsächlich dafür höchstpersönlich kommen. Doch für mich war die Sache beendet, denn bei diesen Goa’uldgerichtsverhandlungen werden nur die allerwichtigsten Zeugen geladen. Ich warf mich erschöpft auf mein Bett. Erst jetzt realisierte ich langsam, dass ich die letzten 3 Tage fast ununterbrochen gekämpft hatte! Es war ein befriedigendes Gefühl, siegreich zu sein. So muss sich also der Kriegsgott Month fühlen, wenn er mal wieder (unfairer weise) einen aufständischen Ta’uristamm in Grund und Boden geschossen hat.
„Ein harter Tag, Herr?“
„Ich bin ein Gott, Tage sind für mich nie hart. Aber manchmal ist es doch recht erschöpfend, drei Tage am Stück zu kämpfen.“, meinte ich grinsend.
to be continued...