Trotz Doppelpost ein weiteres Update (sonst kriegts ja keiner mit^^)
Kapitel 4 – Ta’uri
Jemand gab sich ziemlich viel Mühe, hartnäckig auf meinen Sarkophag herum zu hämmern. Verärgert und schlaftrunken starrte ich auf den Deckel. Es war mir noch nie passiert, dass ich geweckt wurde und ich sage euch, im Sarkophag ist sowas ein echt mieses Gefühl! Ich tastete die Seite nach einem Notfallknopf ab, fand ihn und sah, nachdem sich der Deckel geöffnet hatte, dass doch tatsächlich die Dienerin die Frechheit hatte, mich zu wecken.
„Wie kannst du es wagen…“, raunte ich halbherzig, doch sie jammerte nur:
„Es tut mir leid! Es tut mir leid, aber Herr, ein Bote von Lord Ptah steht vor der Tür und meint, dass er nicht länger warten kann.“
Verdammt, ich musste mich zusammenreißen! Ich fühlte mich zwar nach wie vor wie gerädert, dennoch hätte ich wissen müssen, dass ich nicht ohne Grund geweckt werden würde.
„Ach, vergiss es! Bring ihn rein!“
Sofort war ich auf den Beinen und rückte mein Gewand zurecht. Ein hünenhafter Jaffa mit einem goldenen Mal auf der Stirn betrat den Raum. Es war Ptahs Primus! Ohne eine Miene zu verziehen schritt er direkt auf mich zu und sprach, mit einer selbst für Jaffa unnatürlich tiefen Stimme:
„Mein Meister, Lord Ptah, wünscht, dass ihr euch auf eure Abreise vorbereiten und euch in zehn Minuten im Thronsaal einfinden sollt. Und lasst meinen Herr nicht warten!“
Der stolze Soldat drehte sich um und marschierte aus dem Zimmer, als ob er soeben eine siegreiche Schlacht geschlagen hätte. Was war das denn für einer? Ich bin hier der Goa’uld! Ich bin der, der mit tiefer Stimme und leuchtenden Augen Befehle herumschreit! Mist, wie es aussieht steht der Primus des Schöpfergottes doch über mir, einem kleinen, unbedeutenden Goa’uld. Ich wandte mich jedenfalls an das Mädchen hinter mir:
„Könntest du bitte meine Sachen in Koffer packen (Welche Koffer? Ach egal…), ich werde bald wieder kommen.“
Ich hatte das Gefühl, je eher ich zu Ptah komme, desto besser. Sie nickte und ich ging los. Der Thronsaal war überraschend festlich geworden: Vom Gang aus war ein breiter, purpurner Teppich, der mit Goa’uldschriftzeichen verziert war, ausgebreitet. Sie bedeuteten so viel wie „Auf Wiedersehen“. An der Seite standen wieder die Gardisten Ptahs in Reih und Glied. Es waren Falkenwachen, Schlangenwachen und sogar einige mir unbekannte Krieger mit noch bizarrerem Kopfschmuck (zwei hatten Löwenköpfe!). Bei all dem Aufwand war es eine Schande, symbolisch vor Ptah auf die Knie zu fallen. Doch dieser schien sehr zufrieden zu sein (auf solche Gesten stehen die hohen Tiere…, hab‘ im Unterricht aufgepasst!).
„Es ist ein Tag zu feiern“, meinte Ptah, „denn deine große Karriere beginnt heute.“
Etwas dick aufgetragen, oder?
„Ich habe dich ausgewählt, weil ich gespürt habe, dass du der richtige bist. Als ich dich geschult habe, hast du dich als sehr neugierig erwiesen und außerdem glaube ich, dass du mein Technikverständnis geerbt hast!“
Wenn er denn eines hätte.
„Nun, Toth, wurdest du ausgewählt, um mein Wort zu verkünden! Meine Gesetze! Meine Interessen! Noch heute wirst du nach Ta’uri reisen, um einen Statthalterposten in einer Stadt zu bekleiden, welche nach diesem Planeten hier den Namen Memphis trägt.“
Wie einfallsreich…
„Wenn deine Sachen gepackt sind, so sollst du jetzt mit deinem Hab und Gut zum Chaapa‘ei geleitet werden. Du wirst von Ra in Saqquara erwartet!“
Nun war es gesprochen und ich sah meine Möglichkeit, zu antworten:
„Ich danke euch für alles, mein Herr. Ich werde mich unverzüglich auf den Weg machen.“
Ich weiß, innovative Antwort, aber ich dachte, das sei angemessen.
„Viel Glück, Toth, mein Freund!“, rief Ptah noch lächelnd hinterher, als ich mit ein paar Gardisten den Saal verließ.
Da sieht man mal wieder, dass früher alles besser war! Oder haben sie jemals zuvor einen freundschaftlich lächelnden Goa’uld gesehen? Durch die Gänge des Palastes gelangten wir in einen großen Innenhof, wo neben einigen Jaffa auch meine Dienerin und meine Möbel warteten. So standen wir vor dem Chaapa‘ei, dem großen, silbergrauen Ring, der mit 39 Symbolen und 9 orangenen Dreiecken jeden erdenklichen Planeten anwählen kann. Jetzt war es soweit. Mein ganzes bisheriges Leben hatte auf diesen Moment gezielt. Eine Schlangenwache tippte auf dem Wahlgerät herum und der Innenring begann, sich zu drehen. Da kam der oberste Primus Ptahs mit einem roten Kissen auf mich zu.
„Lord Toth, mein Herr möchte ihnen noch dies zum Geschenk machen und bedauert, es nicht persönlich überreicht zu haben.“, sagte er und deutete auf das Kissen.
Ich konnte es kaum glauben: Es war eines von Ptahs Multifunktionshandgeräten! Es war zwar wesentlich schwerer zu bedienen, als normale, dennoch war es ein unglaubliches Geschenk, vor allem deshalb, weil jedes von ihnen die DNA des ersten Trägers speichert und dann nur noch von diesem bedient werden kann. Mir wurde auch klar, warum er seinen Primus vorschicken musste, denn er hätte mir wohl kaum vor all den Leuten ein Gerät geben können, was einen Gott eigentlich ausmacht.
„Richte Ptah meinen herzlichsten Dank aus.“, meinte ich und legte das Gerät an.
Der Kristall im Handballen leuchtete blutrot! Im Hintergrund ertönte ein „Wusch“ und der Staub des sandigen Bodens wurde stark aufgewirbelt. Der Weg nach Ta’uri war frei. Ich betrachtete noch kurz das goldene Exoskellett, was nun meine Hand umschloss und begleitete dann die Gruppe durch das Tor. Als wir schon bald danach auf der anderen Seite des blauen Tunnels auf sandigen Grund landeten, überlegte ich, warum Goa’uld eigentlich so ein Faible für subtropisches Klima haben. Begleitet von einer beachtlichen Anzahl an Falkenwachen begrüßte uns ein hagerer, schwarzhaariger Jüngling kühl mit gewohnt tiefer Stimme:
„Seid gegrüßt, Abgesandter von Ptah, ich habe euch schon erwartet. Mein Name ist Ra!“
Seine Stimme war eisig. Offenbar gefiel ihm meine Anwesenheit nicht. Kein Wunder, nun, wo Ptah mich schickt, um ihn zu bespitzeln, da kriegt dieser mächtige Goa’uld Verfolgungswahn! Er wies mich an, ihm zu folgen. In der Ferne entdeckte ich eine riesige, weiß leuchtende Pyramide.
„Ah, Ta’uri, die Welt, von der wir unsere ganzen Sklaven beziehen…“
„Ja…“, antwortete Ra.
Verdammt, der Kerl ist wie eine Wand! Wir kamen schließlich bei einem geparkten Tel’tak an.
„Wir fliegen nun zur Stadt Memphis.“, kommentierte Ra trocken.
Das wird ja noch ein hervorragendes Betriebsklima. Der Flug über die sandige Wüste war dementsprechend still und ich musste mich damit beschäftigen, die Texte zu lesen, die an die Innenwände des Transporters gepappt waren. Es waren nur langweilige Angebersprüche der Schiffskonstrukteure, umso erfreuter war ich, als wir in einem verschlafenen Wüstenkaff landeten.
„So, Endstation!“, meinte Ra und die Seitentür öffnete sich.
Wir standen auf einem Hof vor einem, ähem, rustikalen Gebäude, was hoffentlich nicht die örtliche Botschaft sein sollte, oder? Allerdings schleppten die Jaffa mein Zeug hinein… Tja, muss ich mich halt damit zufrieden geben.
„Ra, ich verabschiede mich, wir werden uns sicher noch irgendwann sehen.“
Er schwieg, ich verzog mich. Das Innere der Botschaft war einfach, fast schon heruntergekommen. Der simple Lehmbau wurde von Holzbalken gestützt und war teilweise mit Geäst verkleidet. Die düstere Vorhalle (es fehlte an Fenstern und Lampen) war ein ebenso schlichter Warteraum mit einer Hand voll geflochtener Stühle. Meine Augen waren wohl zu sehr von dem Palast Ptahs verwöhnt worden. Dann kam ein kleinerer, korpulenter Ta’uri auf mich zu, nahm meine Hand und begann, sie zu küssen!!!
„Seid gegrüßt mein Herr! Ich bin hier euer ergebener Großwesir und zur Zeit der Verwalter dieser Stadt.“
Bäh, was ist bloß in den gefahren? Angewidert riss ich meine Hand los, bevor er sie gänzlich vollgesabbert hätte.
„Krieg dich wieder ein, Untertan!“
Geschafft, er war sofort wieder still.
„Entspannt euch!“, sagte ich zu ihm, „Ich sehe mich erst einmal hier um und dann könnt ihr mich mit diesen Verwaltungsangelegenheiten belästigen… Bis dann!“
Ich verschwand in dem Raum, in den die Jaffa meine Sachen gebracht hatten.
„Ah, wie ich sehe, wurde alles bereits eingerichtet.“, sagte ich und die Soldaten verließen schnaufend das Gemach, sodass nur noch ich und meine Dienerin zurückblieben, die die ganze Zeit das Gepäck begleitete (oder die Jaffa sie für Gepäck gehalten haben…).
„Endlich angekommen!“, seufzte ich und warf mich aufs Bett.
„Sieht so aus, Herr.“, antwortete sie, während ich noch einmal Ptahs Geschenk betrachtete:
Der große, rote Kristall leuchtete sachte und die goldenen Fingerkuppen glitzerten im Licht einer Öllampe, die einsam an der Decke hing. Nun war ich doch tatsächlich auf Ta’uri. Ich schaute mich ein weiteres Mal in meinem neuen Gemach um und entdeckte auf einer Kommode ein kleines Schmuckkästchen. Neugierig stand ich auf und öffnete es. Noch ein Geschenk von Ptah? Darin war eine kleine silberne Kugel. Natürlich nahm ich sie sofort in die Hand, denn ich erinnerte mich an die Lektionen von Ptah zum Thema Goa‘uldtechnologie: Es war ein Langstreckenkommunikator! Doch wie aktiviert man das blöde Teil? Einfach irgendwo rumdrücken? Ich krampfte meine Hand zusammen.
„Geht doch!“, rutschte es mir heraus, als auf der Kugel das Gesicht von Ptah erschien, der mich zufrieden anlächelte:
„Wie ich sehe, habt ihr unsere kleine Direktverbindung gefunden.“
„Aber natürlich, Herr. Wie kann ich sowas auch übersehen… Nun, ich bin jetzt auf Ta’uri angekommen. Ist Ra eigentlich immer so gesprächig?“
„Wie meint ihr das?“
„Na, ihr wisst schon! Ra hat den ganzen Flug über geschwiegen und mich mit Nichtbeachtung gestraft.“
„Das musst du verstehen, er ist halt eifersüchtig. Ra ist nicht dumm, er ahnt, dass du ihn überwachen sollst. Egal, zu deinem Auftrag: Du bist nun der Statthalter der Hauptstadt dieses Planeten. Also bist du das Gesetz. Bitte beachte dies und halte auch selbst meine Grundsätze ein, die ich dir schon erklärt hatte. Ansonsten… hilf den örtlichen Goa’uldvertretern, wenn sie fragen an dich oder mich haben. Und Ra… du musst ihn ja nicht gleich ausspionieren, aber hör dich einfach in der Bevölkerung um, wie viel Macht er ausübt. Erstatte mir bitte regelmäßig Bericht. Na dann, wir sehen uns!“
„Auf Wiedersehen, Herr!“
Das Bild auf der Kugel verblasste und verschwand schließlich, dann legte ich sie zurück in die Schatulle. Na dann, an die Arbeit!
to be continued...